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beat 6ul

ich weiß noch wie wir auf den namen kamen: wir fuhren beide mit dem rad zur probe und jörg meinte, wir müssten uns nun einen neuen namen für die band ausdenken. ich meinte, es sollte unbedingt etwas mit "beat" zu tun haben. jörg fuhr vorne und brüllte zurück, es müsse aber auch geil sein. ich schrie, der name sollte auch ein rätsel aufgeben. so eine buchstabensache wie sie prince verwendet wäre toll. aus dem beat und der buchstabensache entstand dann "beat.6ul". die wenigsten verstanden den namen. die meisten sagten beatsexul und runzelten fragend die stirn. auf beat-sexuell kam auf anhieb kaum jemand. uns wars egal. Als dritten hatten wir albrecht „albee“ klinger im bunde und damit man endlich unseren namen richtig aussprach, komponierte ich einen song mit dem titel "beat.6ul" und die erste zeile ging "dieser beat ist, dieser beat ist, dieser beat ist sexuell".

rückblickend betrachtet war die zeit mit beat.6ul aus kompositorischer sicht eine sehr kreative zeit für mich und einige der besten songs entstanden damals. „kaputt“, „travis“, „die herren auf der bühne“, „liebe liebe“ und noch viele andere. ich hatte nun endlich freie hand beim komponieren und zwei mitmusiker, die es verstanden, die dinge auf den punkt zu bringen. Jörg und ich kratzten unsere letzte kohle zusammen und kauften uns ein damals fast unerschwinglich teures vier-spur-kassettenaufnahmegerät und wir bannten meine kompositionen auf band. aus heutiger sicht war die technische qualität der aufnahmen natürlich ziemlich miserabel, denn das band wurde mit jedem overdub immer schlechter und das bandrauschen immer stärker. Wir nahmen daher den basic-track bestehend aus schlagzeug, bass und rhythmusgitarre live auf und die qualität der aufnahme hing davon ab, wie laut die instrumente eingestellt waren. Später wurde dann gesang, solos, keyboards und was uns halt sonst noch einfiel hinzugefügt. Wir waren damals mächtig stolz auf unsere aufnahmen!

für unsere live auftritte konnten wir als unterstützung –wir waren ja schließlich ein trio und daher vom sound her ziemlich beschränkt- einen super jazz-saxophonisten gewinnen, der unser klangspektrum um eine interessante nuance erweiterte. wir spielten vornehmlich in graz. unsere weiteste „tournee“ führte uns bis nach wien ins „chelsea“. Jörg war derjenige, der sich immer um die auftritte kümmerte, ich war der komponist. Jörg meinte schließlich, wir brauchen ein professionelles demo um unsere auftrittschancen zu verbessern und so mieteten wir ein studio und nahmen vier songs „professionell“ auf. alles musste sehr schnell gehen, da wir nur für einen tag gebucht hatten und die hälfte des tages ging schon damit auf, das schlagzeug einigermaßen abzunehmen. Da wir aber die songs schon gut geprobt hatten, ging der rest dann auch relativ rasch aufs band und am abend waren wir dann fertig. drei dieser songs habe ich noch heute, der vierte ist spurlos in den archiven der zeit verschwunden. so richtig zufrieden war ich mit den aufnahmen allerdings nie und schon damals war mir klar, dass da noch viel mehr potential in den songs steckte, als wir damals im studio an die oberfläche brachten. ich hoffte, dass noch mal die zeit kommen werde, wo ich sie besser aufnehmen könnte.

nach zwei jahren beat.6ul hatte Jörg die fixe idee nach hamburg auszuwandern und wollte, dass wir mitgehen. In hamburg, da gäbe es eine szene und auftrittsmöglichkeiten ungeahnter art. Albee und ich waren wenig begeistert und da es jörg wirklich ernst damit war, stellte er uns eines tages vor die tatsache, dass er nächste woche abreisen werde. Albee und ich sahen uns an und wünschten ihm alles gute. das war dann das ende von beat.6ul.

 

die roaring mopeds