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  I remember

 

 

 

die roaring mopeds

das wird eine längere geschichte:

das ende von beat.6ul gab mir die gelegenheit ein nun fast schon auf eis gelegtes projekt zu beenden: mein studium der germanistik und geschichte. meine eltern freuten sich riesig, dass ich es nun doch noch geschafft hatte. sie hatten mich schon aufgegeben. wenn ich ehrlich bin: ich hatte es auch schon aufgegeben aber dann war es plötzlich beendet und nun kam erst mal der broterwerb. die musik trat in den hintergrund. ohne band und mit der damaligen homerecording-technik war nichts sinnvolles möglich. es fiel mir auch nicht schwer, die dinge einfach bleiben zu lassen, denn ich fühlte mich auch ausgebrannt und musikalisch frustriert, verkannt und was weiß noch was alles.

in der zwischenzeit war ich nach wien übersiedelt und bald darauf traf ich eine freundin, die ich noch aus graz kannte und die seit kurzem auch in wien war. sie lud uns zu sich ein und ihr freund erzählte mir von einer blues band, die er gegründet hatte und dass sie eigentlich noch einen gitarristen brauchen könnten. da kam es wieder, das alte fieber. ich sagte zu und bald kam ich in den keller in der rembrandtgasse. mann, das war was! den blues konnte ich grundsätzlich nicht leiden, gitarren hatte ich alle verschenkt und so musste ich stets auf geborgten instrumenten spielen. die ganze band war ein wahnsinn, ein egotrip jagte den anderen und die harmonie der noten wich dem dilettantismus  des unvermögenden.

aber es gab einen lichtblick: walter famler, den schlagzeuger.

schon vom ersten moment an, wo ich den keller betrat, gab es zwischen uns eine mentale affinität, die keiner worte bedurfte. ansehen genügte und wir verstanden uns. das treiben der anderen brachte uns nur dazu, die augen überzudrehen und wissentlich ein geheimes duo zu bilden. walter ist ein genialer schlagzeuger. keiner beherrscht das "bumm tschak bumm bumm tschak" so wie er und schafft es mit einer ähnlichen leichtigkeit, jedem song dieses "bumm tschak bumm bumm tschak" so aufzudrängen, als ob es nie einen andern rhythmus gegeben hätte.

aus mir mittlerweile unerklärlichen gründen hat jeder, der nur einigermaßen eine gitarre halten kann, den wunsch live aufzutreten. so auch die mitglieder dieser blues band, die schon vom stardom träumten, bevor sie noch einen vernünftigen namen für die band hatten. da es natürlich keinen impressario gab, der sich um die zukunft der aufstrebenden stars annahm, wurde kurzerhand ein auftritt in einem privatem weinkeller in mistelbach organisiert. an ein publikum kann ich mich eigentlich nicht erinnern, aber die bluesikanten ergaben sich in unendlichen solos, während deren ich meine gitarre ausstöpselte und eine rauchen ging. walter hatte es da schwerer, da er am schlagzeug saß und so fast unabkömmlich war. aber als es auch ihm zuviel wurde, beendete er die sache letztgültig damit, dass er einfach aufstand, ging und nicht mehr kam. alea jacta est. wir trafen uns draussen. befreit vom blues.

nicht ganz. denn nun rief der ober-bluesikant zu einer nachbesprechung des "events" in die küche des bauernhofes. er glaube, dass ich nicht wirklich den blues in mir habe, da ich im besten moment -als er das tollste solo seines lebens spielte- einfach gegangen wäre und auch walter wurde kritisiert, da er das "konzert" einfach abgebrochen hatte. ich konnte dem wenig entgegensetzen, da weder der blues und schon gar nicht seine solos mich bekehren konnten und ich nahm alle schuld auf mich, ebenso walter und wir schlugen daher vor, dass wir das projekt beenden sollten. das war den bluesikanten dann auch nicht so recht, aber sie unterschätzen unsere konsequenz. wir hatten echt die schnauze voll.

walter und ich beschlossen daraufhin, eine cover-band zu gründen und neue mitglieder zu suchen. auf inserate meldeten sich die verrücktesten gestalten:

ein typ war der personifizierte ronnie wood, der sämtliche stones-nummern originalgetreu spielen konnte und ölbilder von historischen indianer-persönlichkeiten malte. als wir ihm sagten, wir wollen mal "like a rolling stone" spielen und ihm ein blatt mit dem text und den akkorden vorlegten, wusste er nicht, wie man C, F oder G greift. nächstes mal kam er nicht mehr.

ein anderer hatte eine total geile stimme a la joe cocker, aber als er im laufe des abends die halbe kiste bier leer gesoffen hatte, setzten wir ihn besinnungslos in ein taxi und sagten lebewohl.

der dritte war ein netter bursche und super gitarrist. hatte alles drauf: hendrix, cream, stones. doch er war kärntner und hatte so sehnsucht nach der heimat, dass er nach einem monat die koffer packte und verschwand.

und dann kam noch ein letzter und eines musste man diesem lassen: die gitarre beherrschte er. er schleppte einen riesigen verstärker daher und machte einen unheimlichen krawall. er wurde sofort engagiert. eines abends kam er zur probe und wirkte fahriger und nervöser als sonst. langsam ließ er sich auch den grund entlocken. er hatte in seinem jackett eine million schilling stecken, die er  noch diese nacht in die schweiz bringen sollte. die herkunft des geldes war uns egal, aber wir hatten noch nie eine million schilling live gesehen und so überredeten wir ihn, uns die knete zu zeigen. es war eigentlich enttäuschend: zwei pakete à 100 fünftausenderscheine. so banal hatten wir uns eine million auch nicht vorgestellt! im film ist das immer ein koffer voller scheine. seinen namen darf ich ob dieser netten kleinen geschichte hier nicht mehr nennen, das wäre geschäftsschädigend -sagte er mir wutentbrannt vor kurzem am telefon- und könne ihm auch die finanzbehörde auf den feinen döblinger arsch hetzen. nun gut, ich werde schweigen und ihn fortan in alter freundschaft den namenlosen nennen! (ich wusste gar nicht, dass er so vor der behörde zittert! gibt es denn dafür einen grund?)

als sänger rekrutierte walter einen jungen buchhändler namens horst baier, der gerade seine sturm und drang zeit erlebte und keine stones singen wollte, was natürlich für eine cover-band tragisch ist, aber wiederum mir die gelegenheit gab, diese songs gesanglich zu übernehmen.

wir hatten nun alles, außer einen bassisten. da ich ohnedies keine gitarre mehr hatte und auch zu zeiten von heli planlos und beat.6ul immer wieder gerne den bass bediente, übernahm ich den part und kaufte mir eine billige bass-gitarre mit verstärker. ich liebte den bass nicht nur, weil er zu jedem song neben dem schlagzeug die solide basis liefert, sondern auch deswegen, weil man sich da nicht ständig mit dem klang herumquälen muss:  da braucht man bloß einen verstärker und das wummert. punkt aus und schluss. eine e-gitarre klingt von sich aus nie so, wie man es möchte. da muss man sich damit beschäftigen und diese kastln kaufen und dann eine bessere gitarre und noch mehr von diesen kastln, dann fängt das alles zum brummen und rauschen an und dann braucht man andere tonabnehmer auf der gitarre und man klingt noch immer nicht wie keith richard, jimmy page, the edge oder der gitarrist von hansi hinterseer.

wir waren nun komplett, aber es fehlte noch ein zündender name für die band. nach einer probe im sommer saßen walter und ich im gastgarten des "woodquarters" und sprachen über unsere jugend: der wunsch des arbeiters nach einem eigenheim, der zu einer jugend unsererseits im ziegelbau führte und von einem auffrisierten puch-moped träumen ließ.  da donnerte ein moped durch die leopoldgasse und erinnerte uns an die voluminosität des verstärkers unseres namenlosen  und da wir uns die sixties als basis für die zu covernden songs vorgenommen hatten, war es für uns beide klar: "die roaring mopeds" würden wir heissen. die anderen akzeptierten den namen, da sie keine bessere alternative zu bieten hatten.

unsere erster auftritt war bei einer privaten geburtstagsfeier und es war echt cool: binnen kürzester zeit tanzten alle und wir spielten wie die götter des olymp (kurz nach ihrer vertreibung): es gibt eine videoaufzeichnung davon. etwas schräg daher kam purple rain: horst blieb konsequent einen halbton tiefer als erlaubt. sonst war es gar nicht so schlecht. walter nahm einen kräftigen schluck bourbon vor dem auftritt und legte ein beschwingtes bumm tschak bumm bumm tschak auf die felle. der namenlose war nervös vorher, cool während und verzweifelt nachher ("war ich gut? war ich gut?"). der horst war bleich wie ziegenkäse und pinkelte sich fast in die hose, als er hinter dem mikrofon die vielen festgäste ausmachte. ich versuchte mit dem bass den ganzen haufen zusammenzuhalten.  das waren damals die roaring mopeds.

walter war und ist die treibende kraft der roaring mopeds. als ich und horst nach zwei oder drei jahren nicht mehr wollten und ausstiegen, hielt er die gruppe zusammen und engagierte zwei neue typen, einen bassisten und einen gitarristen und sie nannten sich fortan "namenlose blues band", da der namenlose nun die rolle des musikalischen direktors übernahm, die früher immer meine gewesen war. sie spielten nun nur mehr eigenkompositionen des namenlosen.

ich hörte sie eines abends im aera und war echt überrascht, wie gut sie geworden waren. eines tages spielten sie sogar mit prof. kurt ostbahn im radio. wumm, das war cool.

eines tages war es dann auch mit der "namenlosen blues band" wieder vorbei, da der namenlose immer mehr starallüren bekam und ihm die mitmusiker nicht gut genug waren. die höchste perfidie seinerseits war, dass er eines tages unangekündigt mit einem neuen schlagzeuger auftauchte  und walter an die bongos setzen wollte. unser namenloser star vergaß dabei allerdings, dass es walters proberaum war, in dem er nun aufgrund dieser aktion das letzte mal stand.  walter zog die notbremse und besann sich auf unser altes roaring mopeds projekt und wollte wieder was entspannteres nach feierabend auf die felle zaubern.

er fand hannes skocek (git) und charlie hödl (bass) und ich stieg auch wieder ein. nun auf der gitarre, da ich in der zwischenzeit begann, ein kleines heimstudio aufzubauen und mir wieder eine e-gitarre zugelegt hatte. wir hatten unseren ersten großen auftritt als wiedervereinte oder neugegründete roaring mopeds im schikanederkino. walter schaffte es, eine menge leute zum konzert anzukarren und die hütte war getreten voll. wir spielten nur coverversionen und brachten den saal zum kochen.

unseren absoluten tiefpunkt erlebten wir auf einem maturaball, der unter dem motto "die sixties" stand und wo wir um mitternacht spielen sollten. niemand hatte dabei gedacht, dass zur gleichen zeit die große tombola stattfand und kaum dass wir zu spielen begonnen hatten, alle aus dem saal flüchteten. da standen wir nun auf der bühne in einem nebensaal, hatten einen miserablen sound und kein publikum. nach ein paar nummern gaben wir auf.

im laufe der jahre spielten wir auf einigen privaten feten und die sache war ok. aus meiner sicht sollte da kein großer stress entstehen und das war es letztendlich auch nicht, obwohl hannes und ich immer wieder darum buhlten, wer mehr songs singen durfte.  langsam schlief die sache ein und wir beendeten die proben und die auftritte. es gibt uns zwar immer noch aber keiner weiß wie und wann.

 

helie de metrius

 

 

h. baier, ch. hödl, w. famler, h. skocek, h. de metrius

"die roaring mopeds"

2005