zurück

ich traf günther faschinger bei einem konzert der gruppe "desert experience" in graz. wir haben vor langer zeit einmal gemeinsam studiert, aber wir kannten uns eigentlich nur vom sehen. günther lebte nun in portugal und war zufällig in graz. er hatte einen text für desert experience geschrieben und vor dem konzert diskutierten er, wolfram scheucher und willi mayer, ob die fälschliche aussprache eines wortes dem ursprünglichen text nicht mehr sinn gäbe. dabei erfuhr ich, dass desert experience noch an einem anderen text von günther seit längerem arbeiteten, dass sie aber dabei nicht so recht weiter kamen. er hieß lady d und das d war nicht diana, sondern stand für depression. mehrere fassungen wurden hin und hergeschickt, aber es wurde nie ein song daraus. ich erfuhr, dass der ursprüngliche text in deutsch geschrieben worden war und dass sie sich mit der englischen übersetzung abquälten. ich fragte günther, ob er mir nicht die originalversion schicken möchte. ich würde immer inspiration suchen und ich könnte es ja mal in deutsch probieren, zumal das ja die originalsprache war. kurz darauf bekam ich den text. günther hatte mir erlaubt, damit zu tun, was immer ich wollte (was mich wunderte, da er bei desert experience immer so streng war und schon die falsche aussprache nur eines einzigen wortes ihn offenbar erzürnte). der text gefiel mir, doch war er für einen song doch ziemlich ungewöhnlich, da er sich nicht reimte und auch kein kontinuierliches versmaß hatte. beides veränderte ich und es blieb nicht  viel vom ursprünglichen text über, nur so ca. 50%. ich hatte auch etwas bauchweh, als ich günther die erstfassung des songs nach portugal mailte, ich fürchtete das schlimmste. er schrieb mir zurück, dass leider die depression ganz verloren gegangen sei und damit die eigentliche aussage des textes, dass es sich wie ein schlager anhören würde, aber dass er im großen und ganzen gar nicht so unzufrieden sei. ich antwortete ihm:

 lieber günther,

ich freue mich, dass die übertragung geglückt ist. und ich bin auch froh, dass du nicht über meine bearbeitung geschockt bist.

du hast vollkommen recht, dass die depression eigentlich verloren gegangen ist. das geschah folgendermaßen:

ich begann mit der musik und suchte entsprechend dem thema depression zunächst etwas schräge akkorde und drum-beats. als erstes hatte ich den jetzigen mittelteil (für sie taten wir alles …), der damals noch nicht als mittelteil, sondern als strophenteil gedacht war. als refrain hatte ich andere akkorde vorgesehen, aber die haben nie so recht funktioniert. so habe ich an diesen herumprobiert und fand dann als alternative die jetzigen strophenakkorde mit dem kleinen gitarrenriff (oder besser gesagt der melodie) und plötzlich begann das ganze ding zu swingen und zu rollen. allerdings waren nun die neuen akkorde von solcher wucht und auch schönheit, dass sie als strophe besser geeignet waren als die ursprünglich gedachten, und ich stellte das ganze ding kurzerhand um: refrain wurde strophe und umgekehrt. als ich es dann zum erstenmal sang, hatte ich das gefühl, dass der text nun in verbindung mit der musik der strophe eine andere bedeutung gewann, nämlich genau das, was du auch erkannt hast: das faszinierende, morbide, zerstörerische einer frau oder der liebe allgemein. Schlüsselstellen für diese interpretation sind sicherlich das ende der strofen mit dem „schön so schön“ teil und dann der refrain „für sie taten wir alles“. fast ist es eine allegorie auf die liebe geworden, könnte man sagen. aber genau so gut kann es auch was anderes sein, nämlich die von dir intendierte depression. man weiß es nicht so genau, der text hilft einem da auch nicht wirklich weiter. aber ich finde das eigentlich gar nicht so schlecht. man kann die dinge ja offenlassen, jeder kann selber interpretieren.

in den ersten versionen hatte ich auch noch das "lady d." im text, aber das habe ich dann gestrichen, weil ich fürchtete, dass man es dann als einen song für die lady diana hätte interpretieren können, und das sollte es ja auf keinen fall sein, das überlassen wir lieber dem elton john!

Dass es ein schlager ist, würde ich nicht unbedingt meinen, dafür ist der text zu schwer und die musik zu facettenreich, es ist eher ein gut gelungener pop-song. (davon gibt es eh viel zu wenige!). ich würde auch nicht gerne etwas weglassen, der song ist zwar lange (von der zeit her) aber nicht zu lange für den inhalt.

Ich schicke dir nun den text in meiner endversion, vielleicht möchtest du versuchen, ihn noch etwas in die depression zu drehen. Den song und die melodie kennst du ja nun. Wir können ja locker zwei versionen des songs machen: eine depressive und eine für die obsessionen der liebe.

Liebe grüße

helie

 

zurück